Ich werde nicht vergessen, wie mich Bernd vor vielen Jahren in einem Fall erfolgreich verteidigt hat, der schon verloren schien: getreu seiner Devise, sich nicht von Polizeibeamten oder Strafrichtern von einer konsequenten und unerschrockenen Verteidigung abbringen zu lassen. Ich hatte vor dem Berliner Kriminalgericht mit anderen Kolleg:innen gegen eine Kundgebung von Neonazis anlässlich eines Gerichtstermins demonstriert. Die Polizei verlangte allerdings von uns, nicht vor dem Eingang des Kriminalgerichts direkt gegenüber der Neonazi-Kundgebung unsere Protest-Kundgebung abzuhalten, sondern an der nächsten Kreuzung über hundert Meter entfernt. Als ich mich weigerte, die Eingangstreppe zu verlassen und auch den Journalist:innen vor Ort zurief, sie sollten berichten, wie die Berliner Polizei anlässlich einer Neonazi-Kundgebung gegen Proteste engagierter, kritischer Anwält:innen vorgeht, passierte es: Ich wurde plötzlich von Polizeibeamten von hinten die Treppe hinuntergestoßen. Ich habe dann reflexartig meine Arme nach hinten geworfen, um nicht das Gleichgewicht auf der Treppe zu verlieren – mich also keineswegs dagegen gewehrt. Trotzdem erfolgte eine Strafanzeige wegen angeblichem Widerstands gegen die Staatsgewalt. Ich wurde in erster Instanz vom Amtsgericht verurteilt, wogegen ich Berufung einlegte. Dann übernahm der Kollege Bernd Häusler meine Verteidigung und recherchierte gründlich nicht nur bei allen möglichen Zeug:innen und über die örtlichen Gegebenheiten. Er bestand auch darauf, das von der Polizei über den Einsatz vor dem Kriminalgericht angefertigte Bildmaterial, einschließlich angefertigter Bildaufnahmen über den Einsatz zu erhalten, was ihm auch gelang. Insbesondere ein Film wurde dann in der Berufungsverhandlung vor dem Landgericht von ihm als Beweismittel eingeführt: Er zeugte, wie ich mich keineswegs gewehrt habe, sondern von den Polizeibeamten die Treppenstufen heruntergestoßen wurde. Dem Vorsitzenden Richter des Landgerichts Berlin blieb nichts anderes übrig, als dieses Video vorzuspielen und die Polizeibeamten zu fragen, ob sie angesichts dieser eindeutigen Situation bei ihrer belastenden Aussage aus der ersten Instanz bleiben wollen. Das war natürlich ausgeschlossen, zerknirscht räumten sie ein, eine unzutreffende Aussage gemacht zu haben.
Diese persönliche Erfahrung war einer der Gründe, weshalb ich noch intensiver mit dem geschätzten Kollegen Bernd zusammenarbeitete und ihn dann später auch dafür gewinnen konnte, in unsere Bürogemeinschaft im Haus der Demokratie und Menschenrechte einzusteigen, die er mit seiner unschätzbaren Arbeit über mehr als ein Jahrzehnt bereichert hat…
Abschließend ein Foto von unserem letzten geselligen Bürogemeinschaftstreffen bei uns draußen in Schmöckwitz in unserem UN-Ruhe-Sitz im Roten Haus am See am 7. September 2025 – also 2 Monate vor seinem plötzlichen unerwarteten Tod. Auch hierbei gab er Berichte von seinen früheren Auftritten vor Gericht, in der Berliner Rechtsanwaltskammer, auf Pressekonferenzen in Berlin und an anderen Orten zum Besten.
(© H.-EBERHARD SCHULTZ – neben Bernd, daneben meine Ehefrau Azize Tank, MdB a.D., und die weiteren Mitglieder unserer Bürogemeinschaft Nora Ebeling, Nadija Samour und mein Nachfolger in der Bürogemeinschaft Tobias Krenzel mit Kind und Kegel)
Bernd war außerdem geschätzter Gast auf wichtigen Veranstaltungen der von mir und meiner Frau Azize Tank 2011 gegründeten gemeinnützigen Stiftung „Eberhard-Schultz-Stiftung für soziale Menschen und Partizipation“.